Ingenieurkeramik
Je nach Anforderungskatalog kommen keramische Werkstoffe zum Einsatz, deren Eigenschaften gezielt auf die meist industrielle Anwendungen hin optimiert wurden. Im Ofenbau und in Brennersystemen halten sie Temperaturen von bis zu 2500°C stand. Keramische Lagerschalen in Gasturbinen arbeiten bei Drehzahlen von mehreren Tausend Umdrehungen pro Minute und Temperaturen von rund 1500 °C sehr verschleißarm. In Anlagen zur Meerwasserentsalzung fördern Pumpen mit keramischen Gleitlagern das stark mit Sand versetzte Salzwasser über Jahre hinweg ohne merklichen Abrieb oder Korrosion zu erleiden. Mengenmäßig zu den wichtigsten Anwendungen zählt bis heute die Verwendung keramischer Bauteile in Zündkerzen, als Kondensatoren oder als Isolatoren. Die Variationsbreite dieser Werkstoffe zeigt sich vor allem auf diesem Gebiet: Während manche elektrisch isolieren, leiten andere - die Supraleiter - den elektrischen Strom absolut widerstandsfrei!
Die Palette der Verfahren zur Herstellung von Bauteilen aus Ingenieurkeramiken ist so breit wie das Spektrum an Werkstoffen. Fast allen sind allerdings wesentliche Verfahrensmerkmale gemeinsam. Bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen wird aus einer Rohmasse (Schlicker, Feedstock) oder einem Pulver ein Grünling geformt, der seine Werkstoffeigenschaften erst in einem Sintervorgang bei hohen Temperaturen erhält. Somit sind die Werkstoffeigenschaften keramischer Produkte untrennbar mit den Eigenschaften der Rohstoffe und dem Herstellprozess bestehend aus Aufbereitung, Formgebung und Sinterung verbunden. Hierin liegt die Ingenieurleistung - in der gezielten Beeinflussung der Mikrostrukturen durch die Formgebung und im Sinterprozess.






